veranstaltungen
Vernissage
Samstag, 05.09.2026, 17 Uhr
Finissage
Sonntag, 04.10.2026, 14–18 Uhr
KunstCafé ab 14 Uhr
Kuratorenführung Stefan Skowron, 16 Uhr
wo und wann
05.09.–04.10.2026
Öffnungszeiten: Samstag, 15-18 Uhr, Sonntag 14-18 Uhr
und nach Vereinbarung.
Markus Lüpterz
GENESIS
Das Bild auf unserem Plakat entstammt der Grafikmappe GENESIS – einer Mappe mit 14 Motiven, zzgl. 14 Tagebuchtexten, 14 Titeltexten und 1 Deckblatt. Es ist Blatt 5 der Grafik-Mappe „Genesis“ und trägt den Titel „Der den Ozean, das weite Meer, überquerte bis hin zum Aufgang der Sonne“.
GENESIS, das Wort altgriechischen Ursprungs, steht für Schöpfung, Entstehung, Geburt. Das Buch Genesis eröffnet die Tora und die Bibel (Erstes Buch Mose). Es gibt auch eine Musikband mit dem Namen Genesis, aber die spielt hier ausnahmsweise keine Rolle. Die Grafikmappe GENESIS begleitet eine weitaus größere Arbeit des Künstlers Markus Lüpertz: 14 Keramiktafeln, je 2 mal 4 Meter im Format, mit einem Gesamtgewicht von rund 20 Tonnen, entstanden zwischen 2019 und 2022 für die Karlsruher U-Bahn. Markus Lüpertz selbst schreibt über dieses Projekt: *„Sieben Stationen zählt die Untergrundbahn, und Gott hat in sieben Tagen die Welt erschaffen. Nun will ich dem alten HERRN nicht ins Handwerk pfuschen, sondern lediglich seine Phantasie und seine Schöpferkraft adaptieren. Wie von selbst stand am Anfang das Wort Genesis – also die Schöpfungsgeschichte der Welt.“*¹
Doch sei diese Geschichte nicht allein den Christen und Juden eigen, sondern sie sei universal, es gibt Gleiches und Ähnliches in vielen Kulturen und Religionen. Insofern, so Lüpertz, repräsentiert die Schöpfungsgeschichte der Genesis nur *„eine der möglichen Bildwelten […] sich den Anfang unserer Welt in die Vorstellung zu rufen […].“*² Und tatsächlich geht es im Bildprogramm der Keramiken und hernach auch in dem der Grafiken nicht nur um den christlichen Mythos. Auch die griechische Sagenwelt hält Einzug, sogar die Landschaft des Schwarzwaldes, der Ort, wo Lüpertz über annähernd drei Jahre hinweg die Keramiken von Hand modelliert hat.
Der Archäologe und frühere Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek in München Raimund Wünsche schreibt dazu: *„Heute fällt es vielen schwer, griechische Sagenbilder zu entschlüsseln, da die dargestellten Themen nur noch wenig bekannt sind. Und selbst wer sie kennt, findet manche Darstellungen rätselhaft […].“*³ Wünsche begründet diesen Umstand so: *„Die antiken Dichter und Dramatiker scheuten sich nicht, ihre Göttermythen und Heldensagen auch in der inhaltlichen Aussage radikal umzugestalten, die Handlungen an neue Orte zu versetzen, mit neuen Figuren zu bereichern …“*⁴ Der Autor folgert: *„Genau das macht auch Lüpertz – so wie einst die antiken Schriftsteller und Dramatiker. Er verändert unbekümmert die Erzählung, spinnt sie weiter und bindet sogar Szenen und Gestalten aus unterschiedlichen Sagen zusammen.“*⁵ Es entstand ein Bilder-Epos mit einem großen Ensemble mythologischer wie realer, vulgo historischer Persönlichkeiten, deren Geschichten ganz in unserer Nähe spielen.
Quellen:
1 Markus Lüpertz, zitiert nach: Chris Gerbing, Genesis. Das Projekt, B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach 2023, S. 14.
2 Ebenda.
3 Raimund Wünsche, in: ders., Genesis. Das Werk, B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach 2023, S. 8.
4 Ebenda.
5 Ebenda.
Texte und Bild sind aus dem Begleitheft MARKUS LÜPERTZ – Grafische Arbeiten und Plastik (8.5. – 19.7.2026 Kunstverein Krefeld)
Konzept: Archiv Professor Markus Lüpertz, Mönchengladbach
Texte: Stefan Skowron, Potsdam
Fotografie: Giulio Coscia, Mönchengladbach
Verlag: B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach
BIOGRAFIE (Auszug)
1941, am 25. April in Liberec, Böhmen, geboren. 1948 Flucht der Familie nach Rheydt/Rheinland. 1956–1961 Studium an der Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goosens; Aufenthalt im Kloster Maria Laach; einjährige Arbeit im Kohlebergbau unter Tage; Studien in Krefeld und an der Kunstakademie Düsseldorf; Arbeit im Straßenbau; Aufenthalt in Paris. Seit 1961 freischaffender Künstler.
1962 Übersiedlung nach Berlin; Beginn der „dithyrambischen Malerei“. 1963 Beginn der „Donald Duck“-Serie. 1964 Eröffnung der Galerie Großgörschen 35 in Berlin, Ausstellung: „Dithyrambische Malerei“. 1970 Preis der Villa Romana, einjähriger Aufenthalt in Florenz; Beginn der „Deutschen Motive“. 1976–1987 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe.
1977 Beginn der „Stil-Bilder“; Rücktritt von der documenta 6, Kassel. 1982 documenta 7; Bühnenbild zur Oper „Vincent“ von Rainer Kunad, Staatstheater Kassel. 1984 Aufenthalt in New York. Ab 1986 Professur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, 1988–2009 Rektor. 1989/90 Kirchenfensterentwürfe für die Kathedrale von Nevers. 1990 Lovis-Corinth-Preis, Künstlergilde Esslingen. 1991 „Retrospektive 1963 bis 1990“, Museo Nacional, Centro de Arte Reina Sofía, Madrid. 1993 Beginn der Serie „Männer ohne Frauen – Parsifal“.
2001 Wandbild „Die sechs Tugenden“ und Skulptur „Die Philosophin“, Bundeskanzleramt, Berlin. 2004 IV. International Prize „Julio González“. 2005 Skulpturen „Adler“, Bundesgerichtshof Karlsruhe, „Hommage an Mozart“, Salzburg.
2009 „Hauptwege Nebenwege. Eine Retrospektive“, Kunst- und Ausstellungshalle Bonn. 2010 Beginn der Arbeiten an den Kirchenfensterentwürfen für St. Andreas, Köln; Skulptur „Herkules“, Zeche Nordstern, Gelsenkirchen. 2013 Internationaler Mendelssohn-Preis, Leipzig. 2014 Skulptur „Hommage an Beethoven“, Bonn. 2015 „Grand Prix artistique 2015“, Fondation Simone et Cino Del Duca; „Une Rétrospective“, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris; „Markus Lüpertz / Arnulf Rainer – Bildende Kunst“, Arnulf Rainer Museum, Baden; „Nichts Neues. Die Abstraktion hat noch nicht begonnen“, Bode-Museum, Berlin.
2016 Skulpturen „Das Echo des Poseidon“, Duisburger Hafen, Mercatorinsel; Ehrenbürgerschaft der Stadt Liberec (Tschechien). 2017 „Max Klinger / Markus Lüpertz. Zeitgenössische Kunst“, Museum der bildenden Künste, Leipzig; „Threads of History“, Hirshhorn Museum, Washington; „Markus Lüpertz“, The Phillips Collection, Washington. 2018 Bühnenbild und Kostüme zur Oper „Una cosa rara“ von Vicente Martín y Soler, Theater Regensburg; „Markus Lüpertz. Dans l’Atelier“, Musée de la Vie Romantique, Paris; „Der Tod, der bleiche Freier“, Gipse, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal. 2019 „Über die Kunst zum Bild“, Haus der Kunst München.
Seit 2020 Arbeiten an 14 großformatigen Keramikreliefs für die Karlsruher U-Bahn (Übergabe 2023). 2021 Regiedebüt, Bühnenbild und Kostüme zur Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini, Staatstheater Meiningen; „A small, irrational, artist-led retrospective“, Museum für Moderne Kunst MMOMA, Moskau. 2022 Einbau der letzten 2 von 8 Fenstern, St. Elisabeth, Bamberg. 2023 Segnung der Glasfenster für St. Ulrich, Regensburg. 2026 Regie, Bühnenbild und Kostüme zur Oper „Das Rheingold“ von Richard Wagner, Staatstheater Meiningen; Aufstellung der Großskulptur „Georg II“ in Meiningen.
Markus Lüpertz lebt und arbeitet in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe.
